„(GE)meinsam Rabenstark“ – Praxisnahes Lernen mit echter Verantwortung
An der Förderschule Merseburg im Saalekreis hat sich die Schüler:innenfirma „(GE)meinsam Rabenstark“ zu einem festen Lernort entwickelt, der weit über handwerkliche Tätigkeiten hinausgeht. In einem realitätsnahen Arbeitsumfeld begegnen die Jugendlichen nicht nur Produktionsprozessen, sondern erfahren Verantwortung, Zusammenarbeit und Selbstwirksamkeit. Die Schüler:innenfirma ist in den Stundenplan der Berufsschulstufe integriert und bildet einen zentralen Baustein des schulischen Alltags. Auf ihrem Weg dorthin werden sie seit mehreren Jahren von dem Team der GRÜNDERKIDS! Sachsen-Anhalt beraten und haben bereits an mehreren Veranstaltungen des Programms Ideenlabs – BNE in Schüler:innenfirmen verankern teilgenommen.
© (GE)meinsam Rabenstark
Von der Werkstatt zur Schüler:innenfirma
Aus bestehenden Werkstätten wie Holz, Töpfern und der Essensausgabe entstand die Idee, diese Angebote zu bündeln und gemeinsam als Schüler:innenfirma zu organisieren. Eine Lehrkraft beschreibt den Ansatz so: „Es geht darum, Arbeitsabläufe kennenzulernen, im Team zu arbeiten und vorbereitet zu sein auf das, was nach der Schule kommt.“ Diese Kombination aus Handwerk, Organisation und sozialer Teilhabe bildet die Basis des Projekts. So trägt es zur Förderung hochwertiger Bildung, nachhaltiger Produktion und zum Abbau von Ungleichheiten bei und unterstützt damit die Umsetzung mehrerer nachhaltiger Entwicklungsziele der Vereinten Nationen.
Zu Beginn durchlaufen alle teilnehmenden Schüler:innen verschiedene Bereiche, um unterschiedliche Tätigkeiten kennenzulernen und herauszufinden, wo ihre Stärken liegen. Später wählen sie gemeinsam mit den Lehrkräften die Abteilung, in der sie dauerhaft mitarbeiten möchten. Dadurch lernen die Jugendlichen, ihre Interessen zu reflektieren und Entscheidungen zu treffen.
Rollen, Teilhabe und Verantwortung
Innerhalb der Schüler:innenfirma übernehmen einige Schüler:innen bereits Verantwortung in leitenden Rollen. So hat sich eine Schülerin in der Töpferei als Vorarbeiterin etabliert. Sie wird auch außerhalb ihres regulären Einsatzes hinzugezogen, wenn viele Aufträge anstehen, und zeigt anderen gleichzeitig, wie wichtig Durchhaltevermögen ist. Zu Schüler:innen, die etwas Neues beginnen, sagt sie: „Nicht gleich aufgeben, sondern weitermachen […] und weiter ausprobieren.“
Solche Erfahrungen stärken die Jugendlichen, ihre eigenen Fähigkeiten einzuschätzen und Selbstvertrauen zu entwickeln. In der Holzwerkstatt schildert ein Schüler, was ihm besonders Spaß macht: „Das Schleifen und so. Dass man immer wieder was Neues dazulernt.“ Er beschreibt, wie er gelernt hat, „mit Maschinen umzugehen, [und] dass man so […] neue Ideen entwickeln kann.“ Er berichtet, dass die Jugendliche immer neue Ideen einbringen dürfen, die dann auch in der Schüler:innenfirma umgesetzt werden.
© (GE)meinsam Rabenstark
Inklusion als gelebter Alltag
Inklusion ist in der Schüler:innenfirma kein zusätzliches Ziel, sondern Grundprinzip der Arbeit. Schüler:innen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen arbeiten gemeinsam in den Abteilungen, übernehmen Aufgaben und tragen so zum Erfolg der Schüler:innenfirma bei. Eine Lehrkraft betont, dass es wichtig sei, „alles, was sie selbstständig tun können, auch selbst machen zu lassen“, um echte Teilhabe zu ermöglichen. Somit stellt die Schüler:innenfirma nicht nur nachhaltige Produkte her, die regional gefertigt sind, sondern lebt mit ihrem inklusiven Geschäftsmodell auch soziale Nachhaltigkeit (vor).
Der pädagogische Fokus liegt darauf, Strukturen zu schaffen, in denen Schüler:innen in ihrem Tempo lernen und Verantwortung übernehmen können. Konflikte, die im Arbeitsalltag entstehen, werden als Lerngelegenheiten genutzt. Durch Gespräche und Reflexion sollen alle Beteiligten lernen, ihren Platz im gemeinsamen Prozess zu finden.
Vorbereitung auf die Arbeitswelt
Die Schüler:innenfirma trägt dazu bei, Berufsorientierung und realitätsnahe Arbeitserfahrungen zu vermitteln. Durch die Mitarbeit in verschiedenen Bereichen sammeln die Schüler:innen praktische Kompetenzen und bauen Unsicherheiten ab. Für einige eröffnet die Schüler:innenfirma sogar Perspektiven über den schulischen Kontext hinaus. So absolviert ein Schüler aus der Holzwerkstatt inzwischen ein Praktikum in einem externen Betrieb. Ein Schritt, der für viele Förderschüler:innen sonst nicht selbstverständlich ist.
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Lernen durch Tun
Die Erfahrungen aus der Schüler:innenfirma wirken sich unmittelbar auf die Alltagskompetenzen der Jugendlichen aus. Neben handwerklichen Fähigkeiten erwerben sie soziale Kompetenzen, Verantwortungsbewusstsein und Problemlösefähigkeit. Eine Lehrkraft beschreibt diese Entwicklung so: „Sie lernen, selbstständig zu arbeiten, Aufgaben zu übernehmen und im Team zu kooperieren.“
Die Schüler:innenfirma „(GE)meinsam Rrabenstark“ zeigt damit, wie praxisnahes Lernen im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung gelingen kann. Sie verbindet Inklusion, berufliche Orientierung und nachhaltiges Lernen und schafft einen Raum, in dem Schüler:innen Verantwortung übernehmen, Selbstwirksamkeit erfahren und sich auf ihren weiteren Lebensweg vorbereiten können.
© (GE)meinsam Rabenstark