13.07.2026

„Entrepreneurship Education ist viel ergebnisoffener als klassischer Unterricht“

Netzwerk Entrepreneurship Education

Interview durchgeführt von Kathleen Fietz

An der Beruflichen Schule für Medien und Kommunikation in Hamburg diente ein Startup Ausbildung!-Workshop als Kick-off für ein ganz neues Lernfeld zu Entrepreneurship Education. Was die Schüler:innen aus dem Workshop mitgenommen haben, wie die Idee für das neue Lernfeld entstand und was man als Lehrkraft dafür mitbringen sollte, erzählt die Lehrerin Sandra Brauns einige Wochen nach dem Workshop.

© DKJS/ Jann Wilken

Wie kam der Workshop bei Ihren Schüler:innen an?

Sandra Brauns: Ein richtig guter Türöffner waren die Beispiele, die anfangs vorgestellt wurden, wie das Unternehmen, das aus alten Airbags Taschen und Rucksäcke herstellt. Das war super anschaulich und passte sehr gut zur Zielgruppe der Schülerinnen und Schüler. Die Kreativitätstechniken haben ihnen sehr geholfen, einfach mal ihre Ideen sprudeln zu lassen. Gut war dabei der Ansatz, zu sagen: Beurteilt und bewertet das nicht gleich, sondern lasst erstmal alle Ideen zu. Da habe ich gemerkt, dass sie sich darauf echt eingelassen haben. Und es hat ihnen wirklich Spaß gemacht, das haben sie uns auch zurückgemeldet.

In der Woche darauf startete dann gleich Ihr neues Lernfeld „Ein Unternehmen gründen“. Haben die Schüler:innen dort ihre Ideen aus dem Workshop weiterentwickelt?

Sandra Brauns: Tatsächlich haben sich alle für eine ganz neue Idee entschieden, den Workshop sozusagen als Probelauf genutzt. Sie haben zum Beispiel ein ParkSharing-Modell für Touristen und Reisende in Großstädten und eine App zur Überprüfung von Lebensmitteln auf Zusatzstoffe entwickelt. Eine Gruppe hat Senioren-Workshops zum Thema Medien, Handy und Internet konzipiert.

Was hat Ihre Schule dazu bewogen, Entrepreneurship Education als eigenes Lernfeld einzuführen?

Sandra Brauns: Die Schülerinnen und Schüler lernen bei uns zwei Jahre so viel über Marketing, Kosten und Controlling, dass wir schon immer ein Abschlussprojekt mit ihnen gemacht haben. In dem konnten sie alles, was sie gelernt haben, anwenden und frei Ideen entwickeln. Auch um zu schauen, ob einige sich sogar mit einer Idee selbständig machen wollen. Das kam immer so super gut an, dass wir uns entschieden haben, dafür ein ganzes Lernfeld zu etablieren. Damit die Schülerinnen und Schüler am Ende der Ausbildung genug Zeit und Freiheit haben, ihre eigenen Ideen zu entwickeln.

Und wie ist dieses Lernfeld aufgebaut?

Sandra Brauns: Wir haben mit einem kurzen Input zum Thema Startup angefangen. Bei der Ideenfindung konnten die Schülerinnen und Schüler auch KI-Tools nutzen und haben dabei vor allem die Erfahrung gemacht, dass die KI nicht einfach gute Ideen oder fertige Kostenpläne ausspuckt, sondern dass das nur in Verbindung mit dem eigenen, kreativen Denken funktioniert und sie zum Beispiel lernen müssen, gute Prompts zu schreiben. Dann haben sie für ihre Ideen Geschäftsmodelle entwickelt, Marktanalysen und Kostenkalkulationen erstellt. Es ging um Marketing und Branding, also darum, einen Namen, ein Logo und einen Claim zu entwickeln. Sie haben sich Kommunikationskanäle überlegt und Webseiten gebaut. Und am Ende stand dann der Pitch. Wichtig war, dass sie sich gegenseitig und nach jeder Phase Feedback gegeben haben.

Welche Kompetenzen konnten die Schüler:innen dabei besonders entwickeln?

Sandra Brauns: Na, zum Beispiel eigenständig und kreativ zu sein und in der Gruppe zu arbeiten. Das sind ja Sachen, die uns auch in dieser Ausbildung total wichtig sind. Sie entwickeln berufliche Perspektiven und dazu gehört auch, zu überlegen: Wer bin ich? Was kann ich eigentlich gut? Was macht mir Spaß? Welche Kompetenzen kann ich daraus ableiten? Und da bietet es sich auch an, genügend Zeit zu haben, am Ende nicht nur die Ideen zu präsentieren, sondern vielleicht sogar noch ein Modell, einen Prototyp zu entwickeln oder einen Film dazu zu drehen. Dass man wegkommt von dem rein Verkopften hin zu mehr Hands-on.

Und was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, was Lehrkräfte für die Umsetzung von Entrepreneurship Education mitbringen sollten?

Sandra Brauns: Diese Art des Unterrichtens erfordert eine gewisse Flexibilität. Das sind ja so unterschiedliche Ideen und unternehmerische Bereiche, in die man sich auch als Lehrkraft erst eindenken muss. Da gibt es kein Richtig und kein Falsch, sondern Entrepreneurship Education ist viel ergebnisoffener als klassischer Unterricht. Als Lehrkraft muss man es aushalten, nicht immer alles zu wissen, sondern sich manchmal erst mal selbst informieren zu müssen. Aber dabei lernt man immer dazu. Ich habe zum Beispiel in dem Workshop auch tolle Kreativitätstechniken kennengelernt, die neu für mich waren.